Am vergangenen Dienstag, dem 16. April,
sollte es für mich endlich auch mal auf Reisen gehen, schließlich
bin ich ja ans andere Ende der Welt gekommen, um auch etwas zu sehen,
von dem Land in dem ich mich seit nun schon 2 Monaten aufhalte.
Mein erster Stopp war Rotorua, mit nur
1 ½ Busstunden Entfernung von Taupo also eine eher überschaubare
erste Distanz.
Wie Julia schon beschrieben hat,
empfängt einen die Stadt mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen
Geruchskonzert. Ich würde es als eine Mischung aus faulen Eiern und
verbrannten Autoreifen beschreiben.
Leider schwang das Wetter letzte Woche
extrem um, ich durfte also meinen gefühlte 100 kg schweren Backpack
inklusive Rucksack und Vorratstasche im strömenden Regen zum 15
Fußminuten entfernten Hostel tragen...einen riesen Vorteil hatte der
Regen in Kombination mit Wind allerdings: Er senkte auf irgendeine
Weise die Intensität des Gestanks in der Stadt. Mir wurde also von
der Natur eine "Geruchseingewöhnungsphase" gegönnt –
sehr zuvorkommend!
An meinem Ankunftstag war ich noch hoch
motiviert und wollte dem Regen strotzen, also machte ich mich auf in
den Stadtpark, der mit allerhand vulkanischer Aktivität lockte. Erst
dachte ich, ich wäre die einzige Verrückte, die sich bei so einem
Wetter vor die Tür traut, doch dann traf ich Karo. Schnell war uns
beiden klar, dass Schlammlöcher im Regen, auch wenn sie vulkanischer
Natur sind, nicht sonderlich interessant aussehen. Da wir beide eh
schon komplett durchnässt waren, entschlossen wir uns jedenfalls
zusammen zu leiden und gingen ein bisschen in der Stadt spazieren.
Am
Abend im Hostel lernte ich dann die Schweizerin Natascha kennen. Sie
stammt aus dem französichen Teil der Schweiz, Amtssprache bei uns
war also Englisch (endlich mal!^^). Da das Wetter für den kommenden
Tag nicht besser werden sollte, verabredeten wir uns für die einzig
sinnvolle Aktivität in so einer Situation: Genau – das Spa! :-)
Quatschend verlebten wir also einige
Stunden in diversen heißen Pools mit Blick auf den Rotorua Lake.
Abends gingen wir noch auf eine Pizza zu Pizza Hut.
Hier ein kleiner Exkurs:
Noch in meiner Taupo-Zeit habe ich ein
in Neuseeland sehr kontroverses Buch namens "Once were warriors"
gelesen. Der Autor, Allen Duff, ist selbst Maori und stammt aus
Rotorua. In seinem Werk verarbeitet er alle Probleme (Alkoholismus,
soziale Ungleichheit, Kindesmissbrauch, Verbrechen, Bandenkriege
usw.), die er in seiner Kindheit erlebt hat und die -leider- auch
heute noch die neuseeländische Gesellschaft spalten. Und zwar in
Weiße und Maori.
"Once were warriors" by Allen Duff, gibt's schon für wenig Geld bei Amazon, wurde auch verfilmt.
Wir sitzen also im Pizza Hut und warten
auf unser Abendessen, als sich direkt vor unseren Augen eine Szene
original wie ich sie aus dem Buch kenne, abspielt:
Ein völlig betrunkener Maori mit einem
ca. 10 Jahre alten Jungen im Schlepptau, torkelt in das Restaurant.
Er ist so betrunken, dass er weder gerade stehen noch seine
Bestellung aufgeben kann. Der Junge mit zersausten Haaren und
schmuddeliger Kleidung steht beschämt neben ihm. Es kommt soweit,
dass der Betrunkene, offensichtlich der Vater, dem Kind 20 $ in die
Hand drückt und hinausläuft. Der Junge gibt kleinlaut die
Bestellung auf. Kurze Zeit später torkelt eine laut grölende Frau
vorbei, sie hält eine Bierdose in der einen und eine Plastiktüte
gefüllt mit mehr Bierdosen in der anderen Hand, ihr folgt ein
Mädchen mit gesenktem Kopf. Als wir unsere Pizza bekommen, passieren
wir die "Familie" auf dem Parkplatz, die "Eltern"
verabschieden uns mit einem Gröhlkonzert...ich habe mich nicht
umgedreht, aber ich bin mir sicher, dass die Kinder sich in Grund und
Boden geschämt haben.
Diese Erfahrung werde ich so schnell
nicht vergessen. Mich beschäftigt das Thema seitdem sehr und es
macht mich ebenso betroffen, dass die Probleme, die Allen Duff
bereits in den neunziger Jahren (!) publik gemacht hat, immernoch in so
extremer Form bestehen.
Neuseeland besteht eben nicht nur aus
Urwald und Vulkanen...aber eben doch zu einem großen Teil. Deshalb war
ich froh, dass mich beim Frühstück Bruno, ein waschechter Bayer,
einlud, mit ihm und ein paar anderen den Tag im "Volcanic Valley" in
Waimangu zu verbringen.
Sehr gerne, also machten wir uns auf, um
dampfende Löcher und vukanisches Gebiet anzugucken. Besonders schön
war der "Frying Pan Lake", der durch heiße Quellen
gespeist wird und dadurch tatsächlich erscheint als würde er
kochen. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, blieben trocken und
sogar die Sonne ließ sich blicken.
Danach folgte aber das eigentliche Highlight: Marlene hatte von einem Freund einen Tipp bekommen, dass es in der Gegend einen natürlichen, heißen Pool gibt, in dem man baden kann. Also nichts wie hin. Und schon saß ich mit Bruno, Michel, Marlene und Maren in einem natürlichen Whirpool, der badewannentemperatur hatte. Unglaublich, was die Natur so drauf hat!
Der "kochende" See
Danach folgte aber das eigentliche Highlight: Marlene hatte von einem Freund einen Tipp bekommen, dass es in der Gegend einen natürlichen, heißen Pool gibt, in dem man baden kann. Also nichts wie hin. Und schon saß ich mit Bruno, Michel, Marlene und Maren in einem natürlichen Whirpool, der badewannentemperatur hatte. Unglaublich, was die Natur so drauf hat!
Nachdem wir uns noch ein Paar
stinkende, blubbernde Schlammlöcher angeguckt hatten, musste ich
mich beeilen unter die Dusche zu kommen (das Wasser war zwar warm,
aber auch stinkig – wie eben irgendwie alles in und um Rotorua^^), weil ich
noch ein Maori-Dorf besuchen sollte.
Puuh...das ist wirklich zu viel für meine Nase!
Der mit dem Blubb^^
Ich hatte bis dato gutes und schlechtes
über solche Veanstaltungen gehört, wollte aber unbedingt endlich
mehr über die Kultur der Ureinwohner kennenlernen, also buchte ich
die Tour für das Mitai-Dorf mit angeschlossenem traditionellem
Maorimahl "Hangi".
Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht
viel von Show und Entertainment halte, jedenfalls nicht, wenn ich
eigentlich auf Kultur aus bin...ich schämte mich eine ganze Zeit
fremd und fühlte mich während der ganzen Veranstaltung sehr unwohl.
Viel über die Kultur habe ich auch nicht gelernt. Das Hangi, hat
geschmeckt, aber da es in Silberterrinen als Buffet serviert wurde,
verlor es leider komplett den historischen Charakter und die
Glühwürmchentour im Anschluss bei der uns 5 leuchtende Punkte an
einem See präsentiert wurden, machte die Misere für mich komplett.
Als Entertainmentabend für eine
Familie mit Kindern bestimmt ganz nett, für mich leider ein totaler
Reinfall. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden!
Am nächsten Tag ging es für mich
weiter nach Tauranga an die Ostküste. Das Städtchen mitten in der
Kiwiplantagenhochburg des Landes empfang mich wie auch schon Rotorua
mit Regen. :-(
Diesmal versuchte ich gar nicht erst
trotzdem Sightseeing zu machen, sondern ging am nächsten Tag erstmal
in die nahegelegene und kostenlose "Art Galery Tauranga".
Danach bummelte ich noch etwas durch die Stadt und zu mehr reichte
meine Motivation auch nicht. Am nächsten Tag goß es wieder aus
Eimern. Ich wollte aber nicht die ganze Zeit im Hostel verbringen,
deshalb fuhr ich mit dem Bus in ein nahegelegenes Einkaufszentrum –
immerhin war ich dort vor den sturzbachartigen Regenfällen
geschützt.
Der kommende Tag versprach allerdings etwas besseres
Wetter, deshalb verabredete ich mich mit meiner Zimmernachbarin Poh
Bee, um endlich den Mount Manganui, einen Berg eine halbe Busstunde
von Tauranga entfernt, zu erklimmen. Doch dazu sollten wir nicht mehr
kommen...
Es trug sich nämlich so zu, dass wir
stattdessen 5 Stunden in einem Tattoostudio in Tauranga verbrachten
und ich dieses am späten Nachmittag mit meinem Wunschmotiv auf dem
rechten Fuß wieder verließ. Für alle, die jetzt die Hände über
dem Kopf zusammenschlagen: Das Tattoo war schon seit LANGEM GEPLANT.
Und ich wollte es auch gerne in Neuseeland stechen lassen, da dort
einige Bedeutung hintersteckt, die durch die Reise noch vertieft
wird.
Dass es nun gerade in Tauranga
geschehen sollte, war andererseits eher nicht geplant, aber das
Ergebnis gefällt mir sehr und ich bin stolz darauf – und das ist
ja die Hauptsache, oder?! ;-)
Poh Bee hat das ganze Vorhaben sehr
genau überwacht, ich glaube sie war zweitweise aufgeregter als ich.
Immer, wenn ich das Gesicht vor Schmerz verzog (JA ES TUT VERDAMMT
DOLL WEH!!!), sprang sie aufgeregt von ihrem Stuhl auf und
kontrollierte genau, ob mein Tätowierer Norton seine Arbeit auch ja
richtig machte! :D
Ich war also wirklich in sehr guten
Händen!
Abends waren wir dann so erschöpft,
dass die Kraft nur noch für eine Portion Fish n' Chips reichte
(zumindest für mich, denn Poh Bee ist überzeugte Veganerin).
Gestern ging dann die Reise weiter in
Richtung meiner vorletzten Station, nämlich Napier. Diesmal hatte
ich tatsächlich Glück, das Hostel war nur 3 Gehminuten von der
Bushaltestelle entfernt und dort wartete, welch ein Luxus, ein
Einzelzimmer auf mich. Zwar ohne Fenster, dafür aber sogar mit
Fernseher ausgestattet, ließ diese kleine Kammer mein Backpackerherz
höher schlagen. Da ich mich auch schon wieder erkältet habe, bin
ich dankbar nicht in einem Dormroom mit mehreren Leuten schlafen zu
müssen, hier kann ich jedenfalls so viel rumhusten und schniefen wie
ich will^^
Napier an sich ist wirklich ein
entzückendes Städtchen. Ganz im Artdeco-Stil der zwanziger Jahre
gehalten, begrüßte es mich sogar mit 20 Grad und Sonnenschein.
Herrlich!
Ganz im Stil
der 20er :-)
Jetzt genieße ich noch eine Nacht in
meinem Einzelzimmer und dann geht es morgen auf nach Wellington, wo
ich auch Julia wiedertreffen werde! Ich bin schon sehr gespannt, weil
jeder von dieser Stadt schärmt. Deshalb habe ich dort auch direkt 5
Tage eingeplant, ich hoffe, das Wetter spielt einigermaßen mit!







