Mittwoch, 24. April 2013

Arts and culture


Am vergangenen Dienstag, dem 16. April, sollte es für mich endlich auch mal auf Reisen gehen, schließlich bin ich ja ans andere Ende der Welt gekommen, um auch etwas zu sehen, von dem Land in dem ich mich seit nun schon 2 Monaten aufhalte.
Mein erster Stopp war Rotorua, mit nur 1 ½ Busstunden Entfernung von Taupo also eine eher überschaubare erste Distanz.
Wie Julia schon beschrieben hat, empfängt einen die Stadt mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Geruchskonzert. Ich würde es als eine Mischung aus faulen Eiern und verbrannten Autoreifen beschreiben.
Leider schwang das Wetter letzte Woche extrem um, ich durfte also meinen gefühlte 100 kg schweren Backpack inklusive Rucksack und Vorratstasche im strömenden Regen zum 15 Fußminuten entfernten Hostel tragen...einen riesen Vorteil hatte der Regen in Kombination mit Wind allerdings: Er senkte auf irgendeine Weise die Intensität des Gestanks in der Stadt. Mir wurde also von der Natur eine "Geruchseingewöhnungsphase" gegönnt – sehr zuvorkommend!

An meinem Ankunftstag war ich noch hoch motiviert und wollte dem Regen strotzen, also machte ich mich auf in den Stadtpark, der mit allerhand vulkanischer Aktivität lockte. Erst dachte ich, ich wäre die einzige Verrückte, die sich bei so einem Wetter vor die Tür traut, doch dann traf ich Karo. Schnell war uns beiden klar, dass Schlammlöcher im Regen, auch wenn sie vulkanischer Natur sind, nicht sonderlich interessant aussehen. Da wir beide eh schon komplett durchnässt waren, entschlossen wir uns jedenfalls zusammen zu leiden und gingen ein bisschen in der Stadt spazieren. 
Am Abend im Hostel lernte ich dann die Schweizerin Natascha kennen. Sie stammt aus dem französichen Teil der Schweiz, Amtssprache bei uns war also Englisch (endlich mal!^^). Da das Wetter für den kommenden Tag nicht besser werden sollte, verabredeten wir uns für die einzig sinnvolle Aktivität in so einer Situation: Genau – das Spa! :-)
Quatschend verlebten wir also einige Stunden in diversen heißen Pools mit Blick auf den Rotorua Lake. Abends gingen wir noch auf eine Pizza zu Pizza Hut.

Hier ein kleiner Exkurs:
Noch in meiner Taupo-Zeit habe ich ein in Neuseeland sehr kontroverses Buch namens "Once were warriors" gelesen. Der Autor, Allen Duff, ist selbst Maori und stammt aus Rotorua. In seinem Werk verarbeitet er alle Probleme (Alkoholismus, soziale Ungleichheit, Kindesmissbrauch, Verbrechen, Bandenkriege usw.), die er in seiner Kindheit erlebt hat und die -leider- auch heute noch die neuseeländische Gesellschaft spalten. Und zwar in Weiße und Maori.

"Once were warriors" by Allen Duff, gibt's schon für wenig Geld bei Amazon, wurde auch verfilmt.

Wir sitzen also im Pizza Hut und warten auf unser Abendessen, als sich direkt vor unseren Augen eine Szene original wie ich sie aus dem Buch kenne, abspielt:
Ein völlig betrunkener Maori mit einem ca. 10 Jahre alten Jungen im Schlepptau, torkelt in das Restaurant. Er ist so betrunken, dass er weder gerade stehen noch seine Bestellung aufgeben kann. Der Junge mit zersausten Haaren und schmuddeliger Kleidung steht beschämt neben ihm. Es kommt soweit, dass der Betrunkene, offensichtlich der Vater, dem Kind 20 $ in die Hand drückt und hinausläuft. Der Junge gibt kleinlaut die Bestellung auf. Kurze Zeit später torkelt eine laut grölende Frau vorbei, sie hält eine Bierdose in der einen und eine Plastiktüte gefüllt mit mehr Bierdosen in der anderen Hand, ihr folgt ein Mädchen mit gesenktem Kopf. Als wir unsere Pizza bekommen, passieren wir die "Familie" auf dem Parkplatz, die "Eltern" verabschieden uns mit einem Gröhlkonzert...ich habe mich nicht umgedreht, aber ich bin mir sicher, dass die Kinder sich in Grund und Boden geschämt haben.

Diese Erfahrung werde ich so schnell nicht vergessen. Mich beschäftigt das Thema seitdem sehr und es macht mich ebenso betroffen, dass die Probleme, die Allen Duff bereits in den neunziger Jahren (!) publik gemacht hat, immernoch in so extremer Form bestehen.

Neuseeland besteht eben nicht nur aus Urwald und Vulkanen...aber eben doch zu einem großen Teil. Deshalb war ich froh, dass mich beim Frühstück Bruno, ein waschechter Bayer, einlud, mit ihm und ein paar anderen den Tag im "Volcanic Valley" in Waimangu zu verbringen. 

Sehr gerne, also machten wir uns auf, um dampfende Löcher und vukanisches Gebiet anzugucken. Besonders schön war der "Frying Pan Lake", der durch heiße Quellen gespeist wird und dadurch tatsächlich erscheint als würde er kochen. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, blieben trocken und sogar die Sonne ließ sich blicken. 

Der "kochende" See
 





Danach folgte aber das eigentliche Highlight: Marlene hatte von einem Freund einen Tipp bekommen, dass es in der Gegend einen natürlichen, heißen Pool gibt, in dem man baden kann. Also nichts wie hin. Und schon saß ich mit Bruno, Michel, Marlene und Maren in einem natürlichen Whirpool, der badewannentemperatur hatte. Unglaublich, was die Natur so drauf hat!




Nachdem wir uns noch ein Paar stinkende, blubbernde Schlammlöcher angeguckt hatten, musste ich mich beeilen unter die Dusche zu kommen (das Wasser war zwar warm, aber auch stinkig – wie eben irgendwie alles in und um Rotorua^^), weil ich noch ein Maori-Dorf besuchen sollte.


  Puuh...das ist wirklich zu viel für meine Nase!

 Der mit dem Blubb^^

Ich hatte bis dato gutes und schlechtes über solche Veanstaltungen gehört, wollte aber unbedingt endlich mehr über die Kultur der Ureinwohner kennenlernen, also buchte ich die Tour für das Mitai-Dorf mit angeschlossenem traditionellem Maorimahl "Hangi".
Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht viel von Show und Entertainment halte, jedenfalls nicht, wenn ich eigentlich auf Kultur aus bin...ich schämte mich eine ganze Zeit fremd und fühlte mich während der ganzen Veranstaltung sehr unwohl. Viel über die Kultur habe ich auch nicht gelernt. Das Hangi, hat geschmeckt, aber da es in Silberterrinen als Buffet serviert wurde, verlor es leider komplett den historischen Charakter und die Glühwürmchentour im Anschluss bei der uns 5 leuchtende Punkte an einem See präsentiert wurden, machte die Misere für mich komplett.
Als Entertainmentabend für eine Familie mit Kindern bestimmt ganz nett, für mich leider ein totaler Reinfall. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden!

Am nächsten Tag ging es für mich weiter nach Tauranga an die Ostküste. Das Städtchen mitten in der Kiwiplantagenhochburg des Landes empfang mich wie auch schon Rotorua mit Regen. :-(

Diesmal versuchte ich gar nicht erst trotzdem Sightseeing zu machen, sondern ging am nächsten Tag erstmal in die nahegelegene und kostenlose "Art Galery Tauranga". Danach bummelte ich noch etwas durch die Stadt und zu mehr reichte meine Motivation auch nicht. Am nächsten Tag goß es wieder aus Eimern. Ich wollte aber nicht die ganze Zeit im Hostel verbringen, deshalb fuhr ich mit dem Bus in ein nahegelegenes Einkaufszentrum – immerhin war ich dort vor den sturzbachartigen Regenfällen geschützt. 
Der kommende Tag versprach allerdings etwas besseres Wetter, deshalb verabredete ich mich mit meiner Zimmernachbarin Poh Bee, um endlich den Mount Manganui, einen Berg eine halbe Busstunde von Tauranga entfernt, zu erklimmen. Doch dazu sollten wir nicht mehr kommen...
Es trug sich nämlich so zu, dass wir stattdessen 5 Stunden in einem Tattoostudio in Tauranga verbrachten und ich dieses am späten Nachmittag mit meinem Wunschmotiv auf dem rechten Fuß wieder verließ. Für alle, die jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Das Tattoo war schon seit LANGEM GEPLANT. Und ich wollte es auch gerne in Neuseeland stechen lassen, da dort einige Bedeutung hintersteckt, die durch die Reise noch vertieft wird.
Dass es nun gerade in Tauranga geschehen sollte, war andererseits eher nicht geplant, aber das Ergebnis gefällt mir sehr und ich bin stolz darauf – und das ist ja die Hauptsache, oder?! ;-)


Poh Bee hat das ganze Vorhaben sehr genau überwacht, ich glaube sie war zweitweise aufgeregter als ich. Immer, wenn ich das Gesicht vor Schmerz verzog (JA ES TUT VERDAMMT DOLL WEH!!!), sprang sie aufgeregt von ihrem Stuhl auf und kontrollierte genau, ob mein Tätowierer Norton seine Arbeit auch ja richtig machte! :D
Ich war also wirklich in sehr guten Händen!

Abends waren wir dann so erschöpft, dass die Kraft nur noch für eine Portion Fish n' Chips reichte (zumindest für mich, denn Poh Bee ist überzeugte Veganerin). 

Gestern ging dann die Reise weiter in Richtung meiner vorletzten Station, nämlich Napier. Diesmal hatte ich tatsächlich Glück, das Hostel war nur 3 Gehminuten von der Bushaltestelle entfernt und dort wartete, welch ein Luxus, ein Einzelzimmer auf mich. Zwar ohne Fenster, dafür aber sogar mit Fernseher ausgestattet, ließ diese kleine Kammer mein Backpackerherz höher schlagen. Da ich mich auch schon wieder erkältet habe, bin ich dankbar nicht in einem Dormroom mit mehreren Leuten schlafen zu müssen, hier kann ich jedenfalls so viel rumhusten und schniefen wie ich will^^

Napier an sich ist wirklich ein entzückendes Städtchen. Ganz im Artdeco-Stil der zwanziger Jahre gehalten, begrüßte es mich sogar mit 20 Grad und Sonnenschein. Herrlich!

 Ich bummelte also durch die vielen Second-Hand Shops und schaute mir die schönen Artdeco-Gebäude an. Gegen Mittag konnte ich mich sogar noch etwas am Strand sonnen. 

 







Ganz im Stil
der 20er :-)

Jetzt genieße ich noch eine Nacht in meinem Einzelzimmer und dann geht es morgen auf nach Wellington, wo ich auch Julia wiedertreffen werde! Ich bin schon sehr gespannt, weil jeder von dieser Stadt schärmt. Deshalb habe ich dort auch direkt 5 Tage eingeplant, ich hoffe, das Wetter spielt einigermaßen mit!

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